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Griechische Traditionen - Geburt in Griechenland

Neugeborenes Kind - Geburt in Griechenland
Foto: ©Sam Pullara

In Griechenland ist es ein Segen Kinder zu bekommen, obwohl die Geburtsraten in den letzten Jahren, leider auch in Griechenland, zu den gleichen Gründen wie sonst in Europa sinken. Die immer enger werdende finanzielle Lage der jungen Familien erfordert dass auch die Frau arbeitet um bei den Ausgaben mit zu helfen.
Wenn die Großeltern in der Nähe wohnen und noch in der Lage sind auf das Kind aufzupassen ist gut. Da aber ein Großteil der Griechen in Großstädten wie Athen und Thessaloniki, weit weg von den Eltern lebt geht es oft nicht.
Griechenland hat eine tolle Struktur an Kindertagesstätten, Kindergärten und Horten so das hier wenigstens die Möglichkeit für junge Mütter besteht mindestens einen Halbtagsjob anzunehmen.
Da aber Kinder auch viel Geld kosten bis sie aus dem Haus sind (und danach oft immer noch, aber dazu mehr in einem anderen Kapitel) und der Traum jeder Familie eigene vier Wände zu haben, allein der Altersvorsorge wegen hohe Schulden verursacht, ist eine Schwangerschaft auch eine Rechenaufgabe.

Geburt in Griechenland in früheren Jahren

Nach der Hochzeit war es früher das direkte Ziel eines jungen griechischen Ehepaares Kinder zu bekommen, mit der Betonung auf Kinder.
Denn die Sterberate von Kleinkindern war vor allem auf dem Land erheblich und Verhütung ein Fremdwort.
Hauptsächlich wegen der fast unvorhandenen Ärztlichen Versorgung auf dem Land in Griechenland und mangelnder Hygiene, starben Kleinkinder sehr oft. Die Steinhäuser hatten oft Lehmböden, der Stall war direkt daneben, es gab keine Wasserversorgung direkt am Haus, die Geburtshilfe wurde von den Frauen der Familie oder der Nachbarschaft geleistet.
Um einen Arzt aufzusuchen war oft eine Tagesreise auf dem Esel notwendig um in die nächste griechische Stadt zu kommen. Heute nicht mehr bekannte Krankheiten waren keine Seltenheit.

Die griechischen Mütter mussten schwer mitarbeiten und dazu noch den ganzen Haushalt versorgen. Sogar das anschaffen von Trinkwasser und Brennholz gehörte meist zu ihren Aufgaben.
Oft lebte man in armen Verhältnissen und war Selbstversorger. Dem entsprechend fehlte je nach Jahreszeit das eine oder andere Nahrungsmittel wie unterschiedliches Obst usw.
Also konnte die durch schwerste Arbeit geschundene und unter Vitaminmangel leidende griechische Mutter schon im Leib ihr Kind nicht richtig versorgen.
Wer als griechisches Kleinkind überlebte war zäh im nehmen.

Die wenige Muttermilch und danach Schafs-, Ziegen-, oder Kuhmilch waren die erste Babynahrung der Neugeborenen in Griechenland.
Vierzig Tage nach der Geburt sollte möglichst niemand ausser der Familie das Baby sehen. Es hieß wer als "asarantito" (keine vierzig Tage alt) vom "bösen Blick" erwischt wurde, war sein ganzes Leben anfälliger dafür. Die frischgebackene Mutter nennt man "Lechóna". Auch sie sollte aus Aberglauben vor allem nie nachts aus dem Haus.

Noch heute gehen Mutter und Kind nach vierzig Tagen in die Kirche um den Segen zu empfangen. Wenn es ein Junge ist wird das Baby vom orthodoxen Pfarrer in den Altar mitgenommen und dort gesegnet. Die Mädchen werden nur im Hauptsaal der Kirche gesegnet.
Viele von Ihnen die Griechen kennen, haben sicher schon von der griechischen Frage alter Leute gehört: "Ist es ein Kind oder ein Mädchen?"


Foto: © Fred Boissonas 1913 Griechische Mutter aus Epirus
mit der sogenannten "Sarmanitsa" eine Kinderkrippe die
Mütter auch auf dem Rücken tragen konnten

Es war undenklich das ein Baby ungetauft gestorben ist. In dem Fall dass die Familie merkte dass das Baby dem Ende nahe war durfte der Familienälteste, meist der Opa, eine sogenannte "Lufttaufe" (Aerováptisi) durchführen in dem er mit einem Gebet dem Kind einen Namen gab und es als Christ sterben konnte. Noch heute werden Atheisten ohne griechischen Pfarrer am Rand des Friedhofs beerdigt.

Aus dem Grund der hohen Sterberate der Neugeborenen, wurden diese auch möglichst schnell christlich orthodox getauft.
Meine griechische Oma gebar 10 Kinder von denen nur 3 überlebten. Mehr dazu unter einem anderen Kapitel über Aberglaube, schwarze griechische Magie und das "bose Auge"


Foto: © Fred Boissonas 1913 in Metsovo Epirus,
Von klein an im Haushalt mithelfen

Von meiner Tante weiß ich dass, wenn z.B. Olivenernte war, die Kleinkinder stramm umwickelt wurden und ihnen ein Beruhigungsmittel, gewonnen aus Mohn, gegeben wurde.
So blieb das Baby ruhig bzw. schlief bis zur Rückkehr der Mutter.
Ich kann ihnen versichern dass es heute allen elf griechischen Cousins und Cousinen gut geht und keiner von ihnen Süchtig nach Opium ist :-)

Geburt in Griechenland heute

Heute scheuen die Kinderlieben Griechen keine Mühe und Kosten, dass es der Mutter und dem Baby bei der Geburt gut geht. Wenn es die finanziellen Möglichkeiten der griechischen Familie erlauben, wird in einer Privatklinik entbunden um möglichst auf der sicheren Seite zu sein, was die Betreuung angeht.

Griechische "Unsitte"

Natürlich kommen immer noch die meisten Kinder in öffentlichen griechischen Krankenhäusern auf die Welt. Da es seit Jahren eine Unsitte gibt, dass man von griechischen Ärzten besser und schneller behandelt wird, sollte man dem behandelnden Arzt ein "Fakelaki" einen Umschlag mit einer privaten Zuwendung "unterm Tisch" geben, wird aber oft gleich die teure Privatklinik bevorzugt.
Beide griechischen Regierungsparteien der letzten Jahrzehnte sind bemüht diese Unsitte auszumerzen. Nicht selten hört man von Verhaftungen einiger Ärzte die mit markierten Geldscheinen bei der Bestechung erwischt werden. Diese griechische Unsitte ist in vielen Fällen der Fall, vor allem aber bei Geburten und bevorstehenden Operationen. Es wird aus Angst um die eigene Gesundheit lieber heimlich Geld gegeben, um die Ärzte auch in Schutz zu nehmen oft auch
ohne Verlangen.
Die Frau meines Bruders verlor in einem Griechenlandurlaub ihren Fötus in den ersten Schwangerschaftswochen. Mein Bruder fuhr sie im Morgengrauen in eine nahe Universitätsklinik. Dort wartete man vergeblich das die Mutter behandelt wird bzw. der Unterleib von Mutterkuchen usw. gesäubert wurde. Erst Nachmittags konnte ich die beiden im Krankenhaus besuchen und war empört das die arme Frau trotz Ihrer Trauer auch noch auf das erbarmen des behandelnden Arztes warten musste. Eine nette Krankenschwester machte mir diskret eine Andeutung. Sofort fuhr ich zur nächsten Bank und gab dem Arzt umgerechnet 500 D-Mark unter der Hand.
Innerhalb einer halben Stunde konnten wir das Krankenhaus verlassen....

Bei ausländischen Touristen gilt diese Regel nicht, woher sollen sie auch davon wissen. Seien Sie also beruhigt, Urlauber werden sehr gut betreut. Es soll ja auch keine Skandale im Ausland geben...

Vor ein paar Tagen hat die Tochter einer Freundin ihr kleines Töchterchen in einer griechischen Großstadt geboren. Die Ärzte ließen sie sich quälen, obwohl der Geburtstermin schon überschritten war, die Wähen schon lange eingesetzt hatten und das Kind die Nabelschnur um den Hals hatte und auch noch falsch rum lag. Als meine Freundin mit mir telefonierte, riet ich ihr eine "Spende" für die Private Kasse des behandelnden Gynäkologen zu machen.
Und siehe da, der Arzt bekam eine Erleuchtung und leitete unmittelbar die Operation zum Kaiserschnitt ein. So sind heute Mutter und Kind wohl auf.  


Hinweis: hiermit möchte ich die griechischen Ärzte und Wissenschaftler in keiner weise schlecht machen. Sie gehören zu den besten Ärzten weltweit und sehr viele Errungenschaften der modernen Medizin sind griechischen Wissenschaftlern zu verdanken, z.B, der Weltweit angewendete gynokologische "Test Pap" oder auch "Test Papanikolaou" nach dem griechischen Erfinder Dr. Papanikolaou benannt.
Noch besser sind die griechischen Wissenschaftler die im Ausland tätig sind, da ihnen mehr Entfaltungsmöglichkeiten geboten werden und sehr von ihren Kollegen für ihr Wissen und Können geschätzt werden. Einen Eindruck über erfolgreiche und bekannte Griechen der Neuzeit können Sie sich auf der Seite helenica.de machen
Leider gibt es aber in Griechenland auch reichlich "schwarze Schafe". Wie schon erwähnt werden sie oft aus "Tradition" von den Patienten selbst verdorben.

Griechische "Kinderindustrie"

Armani ist auch in Kindermode für die Griechen ein Begriff

Gerade die Kinderliebe der Griechen führte im Lauf der Jahre zu einer richtigen Industrie rund um die Geburt und die Kleinkinder, denn nichts ist den griechischen Eltern, Großeltern und Verwandten zu teuer wenn es um die Nachfahren geht.
So wird Babykleidung und Zubehör zu horrenden Preisen in speziellen Babyshops angeboten.
Kindernahrung wird in Griechenland von Apotheken verkauft, aus Hygienegründen und da Apotheken wegen der hohen Temperaturen  im Sommer Griechenlands, immer klimatisiert sind.

Eine immer noch vorhandene Sitte ist das "vergolden" des Babys von Freunden und Verwandten. Beim ersten mal wenn Sie das Kind besuchen wird ihm Geld in das Bettchen gelegt, zum guten geldreichen Glück im folgenden Leben. Früher konnten es sogar Goldmünzen sein, daher bleib auch der Begriff vergolden (Chrìsoma)

 

weiter zum Thema griechisch Orthodoxe Taufe

 

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